Stadtentwicklungsprojekt Brunckviertel

In den 30er Jahren hatte die Badische Anilin- und Sodafabrik, die heutige BASF Aktiengesellschaft, beschlossen, unmittelbar vor ihren Werktoren eine Arbeitersiedlung zu errichten. Das Unternehmen wollte seinen Mitarbeitern preiswerten Wohnraum in direkter Nähe zum Werk anbieten. Das Viertel wurde so angelegt, dass es durch üppige Grünflächen Lebensqualität schafft und inmitten städtischen Lebens liegt. Benannt ist das „Brunckviertel“ nach dem sozial engagierten Chemiker Dr. Heinrich von Brunck, der 1884 Leitender Technischer Direktor des Unternehmens und 1901 Vorsitzender des Vorstandes der BASF war.
Im zweiten Weltkrieg wurde die Werksiedlung fast völlig zerstört. Mit den dürftigen Mitteln der Nachkriegsjahre wurde sie nach den alten Plänen wieder im vollem Umfang aufgebaut. So entstanden 150 Häuser mit
850 Wohnungen. Der Wohnraum war schlicht, oft verteilten sich drei Zimmer auf 55 Quadratmeter, die Küche war der größte Raum. In den 90er Jahren zeigte sich, dass Grundrisse und Bausubstanz nicht mehr zeitgemäß waren. Mehr als 50 Jahre hatte der Zahn der Zeit an den Häusern genagt. Die geringe, teilweise schlechte Qualität der nach dem Krieg verfügbaren Materialien, Zuschnitt und Größe der Wohnungen entsprachen nicht mehr den Anforderungen an den Wohnkomfort.
Gemeinsam erarbeiteten die LUWOGE, die Stadt Ludwigshafen und das Land Rheinland-Pfalz 1996 ein umfassendes Konzept zur Modernisierung des Brunckviertels. Die Modernisierung begann 1998 und wurde 2006 abgeschlossen. Dafür investiert die LUWOGE insgesamt 50 Millionen Euro. Detaillierte Analysen liegen dem städteplanerischen Großprojekt zugrunde:
Bewohnerstruktur, Verkehrsaufkommen und Wegeführung, Lärm- und CO2-Emissionen erfasste das Wohnungsunternehmen im Know-how-Verbund mit Wissenschaftlern, Stadt und Land. Die Bedürfnisse von jungen Familien, Schichtarbeitern und Senioren wurden bei der Konzeption des Viertels genauer unter die Lupe genommen. Ziel war es, die Grundrisse der Häuser bedarfsgerecht zu gestalten, die Parkplatzsituation zu optimieren sowie Grünflächen und Ruhezonen zu schaffen. Die Modernisierung erfolgte für einen Großteil des Viertels nach dem Prinzip des Niedrigenergiehaus-Standards im Bestand und dem Passivhaus-Standard für Neubauten. Das Wohnungsunternehmen und die Stadt Ludwigshafen entwarfen zusätzlich ein verbessertes Verkehrskonzept. Die einzelnen Planungsabschnitte diskutierte die LUWOGE offen mit den Mietern, die so aktiv an der Entwicklung ihres Wohn- und Lebensraums mitwirkten. Das heutige Gesicht des Stadtviertels zeigt Erhalt und Modernisierung: Verschiedene Bauten wurden abgerissen, bestehende Gebäude saniert und Neubauten errichtet. Über 48 000 Quadratmeter Wohnfläche und 57 000 Quadratmeter Grün- und Freifläche umfasst das gesamte Wohnviertel.
46 Stadtreihenhäuser mit einem Heizwärmebedarf von umgerechnet nur einem Liter Heizöl pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr sind im Brunckviertel entstanden. Um den niedrigen Verbrauch zu erreichen, setzt die LUWOGE auf bewährte Energiesparkonzepte der Passivhaus-Technologie. Wohnen für den gehobenen Anspruch ist im Brunckviertel ebenfalls möglich. In direkter Nachbarschaft zu den Stadtreihenhäusern sind in der Rückertstraße auf 1.200 Quadrat-metern zwölf Wohnungen mit gehobenem Komfort entstanden. Auch der Sitz der LUWOGE beeindruckt. Die außergewöhnliche Glasfassade des Gebäudes ist ein Blickfang entlang der Brunckstraße und durch die gute Lage sowohl für BASF-Mitarbeiter als auch für alle anderen Besucher leicht zu erreichen. Das sogenannte Dienstleistungs- und Servicecenter ist zudem mit einem ausgeklügelten Energiekonzept ausgestattet.

Highlight des Modernisierungskonzeptes Brunckviertel ist das erste 3-Liter-Haus Deutschlands im Bestand. Die LUWOGE zeigt mit dem modernisierten Altbau ihre technische Kompetenz in Verbindung mit dem Einsatz von innovativen BASF-Produkten. Als ein Prototyp wurde das 3-Liter-Haus in der modernen Altbausanierung erprobt. Experten ermittelten experimentell, was mit moderner Technik und heutigen Baustoffen möglich ist.